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Ultra
1997
Tracklist:
(Stumm 148)
 
Cover
- Barrel Of A Gun
- The Love Thieves
- Home
- It's No Good
- Uselink
- Useless
- Sister Of Night
- Jazz Thieves
- Freestate
- The Bottom Line
- Insight
- Junior Painkiller
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Alle Titel geschrieben von Martin L. Gore.
Aufgenommen im Eastcote Studio in London, dem Abbey Road Studio in London, im RAK Studio in London und dem Electric Lady Studio in New York 1995 und 1996.
Produziert von Tim Simenon.
Veröffentlichungsdatum: 14.4.1997

Nach der zermürbenden fünfzehn Monate dauernden Tour erklärte Alan Wilder am 1. Juni 1995 seinen Ausstieg aus Depeche Mode. Im August 1995 trafen sich die nach Alans Ausstieg verbliebenen Bandmitglieder um über die Zukunft von Depeche Mode zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Martin fünf bis sechs neue Stücke geschrieben, aber in Anbetracht der schlechten Verfassung der einzelnen Bandmitglieder, besonders der von Dave, beschlossen sie zuerst ein bis zwei Stücke für eine zweite Singles Kollektion aufzunehmen. Aufgrund des dance-orientierten Ansatzes von Martins Demos verpflichteten sie Tim Simenon, Kopf des englischen Danceprojektes 'Bomb The Bass' und bekennender Depeche Mode Fan seit deren Anfangstagen. Tim Simenon war zuvor schon in einige Remixe von Depeche Mode Songs involviert. Nachdem Dave die Demos von Martin hörte war er sofort begeistert, musste aber im Lauf der Aufnahmen feststellen, das er aufgrund seines starken Drogenkonsums nicht fähig war, produktiv und besonders effektiv an dem Album mitzuarbeiten. Trotz der Tatsache, das Depeche Mode im Laufe der Aufnahmen für dieses Album, bedingt durch eine Überdosis von Dave, ihren Tiefpunkt erreichten, gelang es ihnen doch ein komplettes Album aufzunehmen. Dieses spiegelt wie kein zweites die persönlichen Erfahrungen der vorangegangenen Jahre, insbesondere die von Dave wieder.
 


Ultra ist für alle echten Depeche Mode - Fans natürlich von überragender Bedeutung. Nach einer schier unglaublich langen Dürrezeit war dies ein neues Lebenszeichen. Diese Band existiert noch, oder besser gesagt, sie existiert wieder. Nachdem jedes einzelne Bandmitglied zum Untergang beigetragen hatte, ist die Besatzung nochmal auferstanden. Wir erinnern uns: Da war die Drogensucht von Dave Gahan, die Alkoholabhängigkeit von Martin Gore, die grosse Depression von Andy Fletcher während der 18-monatigen Welttournee und schliesslich der Weggang von Alan Wilder. 1995 existierte die Band nicht. Das gab Martin Gore offen zu. Wir machten weder Live-Shows noch waren wir im Studio tätig. Depeche Mode wurde auf Eis gelegt, weil jeder von uns mit sich selber beschäftigt war. So ungefähr resümierte der Songwriter in einem Interview 1997. Doch dann das Wunder: Dave wurde clean, Martin wieder gesund und auch Andy hatte den nötigen Abstand gefunden, um nochmal von vorne anfangen zu können. Lediglich Alan Wilder blieb stur, weil er ja schon lange mit seinem Projekt "Recoil" beschäftigt war. Dafür holten die übriggebliebenen Verstärkung. Vor allem "Bomb the bass" traten sehr auffällig in Erscheinung. Tim Simenon wurde als neuer Produzent vorgestellt, der ja selber ein eingefleischter Fan von DM ist. Ein Fan machte also das Album "Ultra". Sowas gibt es auch nicht alle Tage. Jemand, der in den vorderen Reihen von DeMo-Konzerten gestanden hat, durfte sich einen Traum erfüllen. Diese Band als Produzent zu unterstützen. "Ultra" ist für mich eines der besseren Alben, die DeMo bislang zustande gebracht hat. 'Barrel of a gun' ist einfach ein Knaller. Diesen Song habe ich mir wohl am häufigsten von allen DM-Songs angehört. Und bei jedem Mal Anhören, habe ich wieder eine neue Komponente entdeckt. Ginge es um ein Buch, würde man sagen: "Es steckt sehr viel zwischen den Zeilen." Er hat sehr viel Potential und vor allem Substanz. Dagegen ist "It's no good" ein fröhliches Liedchen, jedoch Radio-tauglicher. Die Leute wollen halt immer noch einfache Melodien hören und keine schwere Kost. "Barrel of a gun" entspricht Goethes "Faust" und "It's no good" eher Buschs "Max und Moritz". Beide Lieder sind okay, aber das erstere von beiden gibt einfach mehr her. (Diskussionsstoff oder einfach zum Nachdenken) Aber was ist sonst noch drauf? Nun, da wäre "Useless", der zweitstärkste Song des Albums, der mir immer wieder zu denken gibt. Ähnlich wie bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ist es auch in diesem Fall schwierig, die passenden Antworten herzuleiten. Vielleicht gibt es keine Antworten. Dann wäre da noch "Home", ein Song, den Martin singt. "Wir fanden, dass meine Stimme eher zur Atmosphäre dieses Tracks passen würde als Daves", argumentierte Martin Lee. "Ja das war sehr lustig", meinte Andy, "wie uns Martin das Demo vorgespielt hat, sagte ich, dass es ein sehr heiterer Song ist. Ein Lied, das von der Heimat handelt und von freudigen Erinnerungen an vergangene Tagen. Doch daraufhin zeigte sich Martin etwas geschockt und erzählte mir, dass er dabei über den Tod geschrieben hatte. Daran sieht man mal wieder, wie universell unsere Texte verstanden werden können. Oftmals gerät man natürlich auch auf einen Irrweg." Des weiteren sind noch drei Songs hervorzuheben: 1) Sister of night, einfach herrlich, schon allein diese bombastische Dynamik zwischen Anfang und Ende 2) Freestate, grossartig, Dave hat sich wieder mal selber übertroffen nach "Condemnation"; perfektes Arrangement von Synthesizer und Gitarre 3) Insight, beinhaltet eine Botschaft, die alle Fans sehr gut aufgenommen haben; "The fire still burns" Das Feuer brennt immer noch, seht her, es ist noch nicht erloschen. Tja, Totgesagte leben eben länger. Diese Band hat es uns einmal mehr bewiesen.

Kurzhistory zum Album

Alan Wilder ausgestiegen, Dave Gahan ein Drogen-Wrack: Das Ende von Depeche Mode scheint gekommen zu sein. Gahan wird nach jedem Klinikaufenthalt wieder rückfällig, schneidet sich die Pulsadern auf, wird gerettet. Trotz der absolut desolaten Lage plant die Band eine neue Platte. Martin Gore hat schon einige Songs geschrieben und bearbeitet sie Ende 1995 mit dem neuen Produzenten Tim Simenon von Bomb The Bass. Im Studio wird erstmals bewusst, welche Lücke Wilder mit seinem Abgang hinterlassen hat.

Um Gahan räumlich entgegen zu kommen, sollen die Tracks in New York aufgenommen werden. Doch die Sessions mit dem körperlich verfallenen Sänger entpuppen sich als Katastrophe und hinterlassen kaum brauchbare Ergebnisse. Am 28. Mai 1996 setzt sich Dave Gahan einen Schuss aus einer Heroin-/Kokain-Mischung. Seit Herz setzt aus, und er wird nur mit Mühe durch den Notarzt wiederbelebt. Kaum wieder bei Bewusstsein, wird Gahan aufgrund seines Drogenbesitzes inhaftiert. Die Behörden bieten ihm nur zwei Alternativen: Entzug oder Knast. Der Sänger ergreift seine allerletzte Chance und beginnt den steinigen Weg zurück ins Leben.

Die Arbeit am neuen Album gibt Gahan eine zusätzliche Motivation, um den Entzugsstress zu kompensieren. Die Atmosphäre in den Londoner Studios wird zunehmend angenehmer: Jeder Beteiligte gibt sein Bestes, um Depeche Mode noch einmal aus dem Sumpf hervorzuziehen. Ende 1996 ist "Ultra" aufgenommen und die Band wiedergeboren.

"Barrel Of A Gun" erscheint als erste Single-Auskopplung am 3. Februar 1997. Der bislang wohl härteste und schonungsloseste Song der Band stößt weltweit auf Begeisterung. Die DM-Fans betrachen mit einer Mischung aus Begeisterung und Erschaudern, wie ein sichtlich gezeichneter Dave Gahan durch das Video von Anton Corbijn irrlichtert. Im April folgt dann das Album, das sich weltweit sogar noch besser verkauft als "Songs Of Faith And Devotion".

Musikalisch ist "Ultra" ein sehr klare, mitunter minimalistisch instrumentierte Angelegenheit. Drei Lieder müssen neben "Barrel Of A Gun" hervorgehoben werden: "It's No Good" zeigt wunderbar, wie frisch und aufwühlend Sythie-Pop noch zum Ende der 90er klingen kann. Corbijn liefert dazu sein wohl witzigstes Video ab, in dem Depeche Mode als schmierige, abgehalfterte Revue-Band durch die Hotel-Bars tingeln. "Sister Of Night" beweist viel deutlicher, wieviel Seele ins Daves Gesang stecken kann, als das ähnlich angedachte "Condemnation" von der letzten Platte. Und dann ist da noch "Home". Gesungen von Martin Gore und eine der ergreifendsten Balladen unter so vielen ergreifenden Depeche-Mode-Balladen.

Für die vierte Single "Useless" dreht Anton Corbijn sein letztes Video für Depeche Mode. Er wird sich aber auch noch in der weiteren Zukunft für die Cover-Gestaltung und das Bühnen-Design verantwortlich zeigen. Und die Zukunft lässt die Erfolge der Band nicht abreißen: Nach der zweiten Singles-Compilation 1998 geht die Band endlich wieder auf Tour und veröffentlicht im Frühjahr 2001 mit "Exciter" eines der besten Alben ihrer Karriere. Die hoffentlich noch viele, viele Jahre fortdauern wird.


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